Deutsche Industrie- und Handelskammer, Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft, Deutscher Tourismusverband
Wettbewerbsfähigeit
Veröffentlichung: 31.10.2025
Seitenanzahl: 51
Wirtschaftsfaktor Tourismus 2024
Hintergrund
Die Studie wurde entwickelt, um trotz der zeitlich verzögerten Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes zeitnah für das Jahr 2024 aktuelle Einschätzungen zur wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus in Deutschland bereitzustellen. Mithilfe des „Nowcast“-Verfahrens solleen kurzfristig nutzbare Prognosen zu touristischem Konsum, Bruttowertschöpfung und Beschäftigung erstellt werden.
Die Studie verwendet das „Nowcast“-Verfahren, um ausgewählte Kennzahlen des Tourismussatellitenkontos (TSA) für das Jahr 2024 statistisch fortzuschreiben. Dafür wurden TSA-Daten des Statistischen Bundesamtes aus den Jahren 2015 bis 2021 mit aktuellen tourismusrelevanten Indikatoren wie Übernachtungszahlen, Preisindizes und Kreditkartendaten internationaler Touristen verknüpft. Zusätzlich wurden Daten zu Konsumausgaben ausländischer Gäste genutzt, die von VISA stammen und über die Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (DZT) bereitgestellt wurden. Die Ergebnisse stellen keine vollständige TSA-Berechnung dar, sondern eine statistisch fundierte Prognose.
Zentrale Ergebnisse
Die Studie gliedert die Ergebnisse entlang folgender Oberthemen:
- Touristische Ausgaben der Ausländer im Inland
Von 2022 an stiegen die touristischen Ausgaben ausländischer Gäste in Deutschland wieder deutlich an. Real erhöhen sie sich von 38 Milliarden Euro (2022) über 45 Milliarden Euro (2023) auf 47 Milliarden Euro (2024), liegen damit jedoch 2024 noch leicht unter dem Niveau von 2019. Nominal wurde das Vorkrisenniveau bereits 2023 überschritten und erreichte 2024 rund 59 Milliarden Euro, was einem weiteren Anstieg von 9 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
- Touristische Ausgaben der Inländer im Inland
Die Konsumausgaben der Inländer im Tourismus stiegen real zwischen 2022 und 2024 deutlich an (2022: 214 Mrd. €, 2023: 231 Mrd. €, 2024: 237 Mrd. €), blieben jedoch 2024 noch 12 Milliarden Euro unter dem Niveau von 2019. Nominal wurden die vorpandemischen Werte bereits 2023 überschritten und erreichten 2024 rund 292 Milliarden Euro, was einem weiteren Anstieg von etwa 5 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
- Touristischer Inlandskonsum nach verschiedenen touristischen Produktkategorien
Nach Produktkategorien betrachtet entfällt der größte Anteil auf Beherbergungs- und Gaststättenleistungen, während Mietfahrzeuge, Eisenbahn- und Gesundheitsleistungen die geringsten Anteile unter den genannten Kategorien aufweisen. Nominal sind die Umsätze in den meisten Segmente im Vergleich zu 2019 gestiegen, real zeigt sich jedoch insgesamt eine schwächere Entwicklung: Nur wenige Bereiche wie Gaststättenleistungen sowie Schifffahrtleistungen und restliche Dienstleistungen verzeichnen leichte Umsatzzuwächse. Besonders starke reale Rückgänge gibt es bei Mietfahrzeugen, Luftfahrtleistungen und Treibstoff, wobei auch Beherbergungsleistungen wesentlich zum insgesamt noch unter dem Niveau von 2019 liegenden Inlandskonsum beitragen.
- Direkte Bruttowertschöpfung
Die Studie zeigt, dass die touristisch bedingte Bruttowertschöpfung 2024 bei 3,7 % der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung, insgesamt 144 Milliarden Euro lag und damit fast wieder das Niveau von 2019 (3,8 % bzw. 121 Milliarden Euro) erreichte, nachdem sie 2021 stark eingebrochen war. Die wichtigsten Beiträge zur touristischen Wertschöpfung kamen 2024 aus dem Beherbergungsgewerbe (13,3 %), der Gastronomie (21,5 %) sowie aus Kultur-, Sport- und Freizeitdienstleistungen (9,7 %), deren Struktur sich im Vergleich zu 2019 kaum verändert hat.
- Direkte Erwerbstätige
Im Jahr 2024 waren in Deutschland knapp 46 Millionen Menschen erwerbstätig, davon mehr als 2,7 Millionen direkt im Tourismussektor, was einem Anteil von 6,0 % entspricht. Damit lag der Beschäftigungsanteil des Tourismus nahezu wieder auf dem Vorkrisenniveau von 2019 (6,1 %), nachdem er 2021 deutlich auf 4,4 % gesunken war.
- Einnahmen des Staates
Die tourismusbezogenen Einnahmen des deutschen Staates beliefen sich 2024 auf 60,3 Milliarden Euro und machten damit 3,0 % der gesamten Staatseinnahmen aus. Im Vergleich zu 2019 (46,7 Milliarden Euro, ebenfalls 3,0 %) sind die Einnahmen deutlich gestiegen und haben sich nach dem pandemiebedingten Einbruch in den Jahren 2020 und 2021 wieder erholt.
- Direkte und indirekte makroökonomische Effekt
Im Jahr 2024 lag der direkte Anteil der tourismusbedingten Bruttowertschöpfung bei 3,7 % (144 Milliarden Euro). Unter Einbezug indirekter Effekte durch Zulieferbranchen erhöhte sich der Anteil auf 6,4 %, was insgesamt rund 252 Milliarden Euro entspricht. Damit hat sich die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus nach dem pandemiebedingten Einbruch weitgehend erholt, liegt jedoch noch leicht unter dem Niveau von 2019 (–0,3 Prozentpunkte).
Die Studie zeigt, dass sich die Tourismuswirtschaft in Deutschland nach den pandemiebedingten Einbrüchen weitgehend erholt hat und 2024 wieder eine wichtige Rolle für Wertschöpfung und Beschäftigung spielt. Dabei gibt es jedoch strukturelle Unterschiede: Der Privattourismus hat das Vorkrisenniveau nahezu wieder erreicht, während der Geschäftsreisetourismus deutlich darunter bleibt. Als mögliche Gründe dafür werden die fortschreitende Digitalisierung und der verstärkte Einsatz digitaler Meeting-Formate genannt.
Relevanz für die Praxis
Als Zielgruppe wurden folgende Personengruppen identifiziert:
- politische Entscheidungsträger im Bereich Tourismus
- Verbände der Tourismuswirtschaft
- Unternehmen der Tourismusbranche
- Institutionen, die aktuelle wirtschaftliche Daten zum Tourismus benötigen
Kritische Würdigung
Die Studie liefert einen aktuellen Überblick über die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Deutschland und stellt insbesondere durch das verwendete Nowcast-Verfahren zeitnahe Ergebnisse bereit. Zwar beruhen die Ergebnisse auf statistischen Fortschreibungen und Prognosen, weshalb gewisse Unsicherheiten bestehen, positiv hervorzuheben ist jedoch, dass die Studie auf dem Tourismussatellitenkonto (TSA) basiert, das als international anerkanntes Instrument zur Messung touristischer Wirtschaftsleistungen gilt. Dadurch wird eine strukturierte und nachvollziehbare Analyse ermöglicht. Zudem nutzt die Studie verschiedene Datenquellen wie TSA-Tabellen des Statistischen Bundesamtes, Übernachtungszahlen, Preisindizes sowie Kreditkartendaten internationaler Touristen, wodurch die Ergebnisse auf einer breiten Datengrundlage beruhen.
Der Nowcast-Ansatz der DIW Econ schließt die mehrjährige Publikationslücke der amtlichen Tourismus-Satellitenkonten (TSA) effizient. Methodisch stringent ist dabei die Exklusion der Pandemiejahre (2020–2021), um Modellverzerrungen durch kurzfristige Strukturbrüche zu vermeiden. Dennoch ergeben sich daraus sowie aus der Nutzung spezifischer Indikatoren (z. B. rein auf VISA basierende Kreditkartendaten) statistische Unsicherheiten, insbesondere auf feingliedriger Ebene. Daraus leitet sich folgender zukünftiger Forschungsbedarf ab:
- Ex-post-Validierung: Systematischer Abgleich der Nowcast-Punktschätzungen mit den realen Daten des Statistischen Bundesamtes, sobald diese zeitversetzt vorliegen, um die Schätzgüte zu überprüfen.
- Strukturbruch-Analyse: Untersuchung, ob die herangezogene Basis (2015–2019) die post-pandemische Realität dauerhaft abbildet, insbesondere mit Blick auf den dauerhaften Rückgang im Geschäftsreisesektor um 57 %.
- Datenerweiterung: Integration weiterer alternativer Daten-Quellen (z. B. Mastercard, Beherbergungsdaten unter zehn Betten / Sharing Economy), um die Repräsentativität des touristischen Konsums zu erhöhen.
- Regionalisierung: Übertragung der zeitnahen Nowcast-Methodik von der Bundesebene auf regionale Destinationen (Bundesländer-TSA).
Publikation
Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK); Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW); Deutscher Tourismusverbands (DTV) (2025): Wirtschaftsfaktor Tourismus 2024: Nowcast des bundesdeutschen TSA (Abschlussbericht), Berlin
Zugänglich unter: https://www.btw.de/fileadmin/user_upload/Die_Tourismuswirtschaft/Zahlen___Fakten/Bericht_nowcast-wirtschaftsfaktor-tourismus-2024-final.pdf
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